Zum Schauspielhaus Bad Pyrmont (Kurtheater)
Das (ehemals „Fürstliche“) „Schauspielhaus“ von 1818, das direkt an der „Hauptallee“ im Herzen Pyrmonts liegt, ist laut dem aktuellem Denkmalatlas Niedersachsen „das einzige bis heute erhaltene Theatergebäude aus der Zeit des klassischen deutschen Theaters in ganz Niedersachsen.“

Aber nicht diese Besonderheit allein macht seinen Wert aus, sondern viel mehr noch dessen reiche Geschichte und die Bedeutung als jahrhundertelang bewährter „Kulturort“ für Bad Pyrmont. Die Historie dieses Theaterbaus – an dessen Stelle es bereits 1784 ein erstes festes „Komödienhaus“ gegeben hatte – führte dabei die 150-jährige Theatertradition des Kurortes seit 1681 weiter fort. Auf eigene Kosten vom legendären Prinzipal und Ehrenbürger Pyrmonts, August Pichler errichtet, konnte es von ihm und seiner Truppe insgesamt 40 Jahre lang erfolgreich bespielt werden.
Auch unter den meisten seiner Nachfolger wurde in der Spielplangestaltung die Balance zwischen reiner Unterhaltung und künstlerischem Anspruch in der Mischung aus Komödien, Schwänken, ernsten Stücken und Klassikern wie Shakespeare, Molière oder Goldoni beibehalten.
Von den künstlerisch besonders ambitionierten Theaterdirektoren sind der 1910 /11 amtierende Dr. George Altmann aus Hannover zu nennen und vor allem in den Jahren 1917 – 1923 der vom Meininger Theater kommende Dr. Franz Ulbrich. Vor allem in den frühen 1920er Jahren wurde das Theaterleben Bad Pyrmonts von einem besonders reichhaltigen Angebot und einem hohem schauspielerischem Niveau bestimmt.
Der Spielplan des „Schauspielhauses“ und das gesamte Kulturangebot des Kurortes überhaupt sprach ein größtenteils bürgerlich-großstädtisches Publikum an und zeigte eine enorme Bandbreite verschiedener Genres. Vom Schwank bis zur Tragödie, von politischen Zeitstücken bis zu heute noch gespielten modernen Klassikern war alles vertreten, was damals auch auf Berliner Bühnen gezeigt wurde!
Nach der Schließung des Schauspielhauses 1932 – bedingt durch die wirtschaftliche und politische Krisenzeit – baute man das Theater um und nutzte es in den Folgejahren überwiegend als Kino. Im Jahr 1937 fand dann eine letzte Renovierung des Gebäudes statt und es erhielt seine heutige Gestalt. Unmittelbar nach Kriegsende, im Herbst 1945 konnte dann aber der Spielbetrieb, Dank des großen Engagements der Schauspielerin Sigrid Salten-Werminghoff und ihres Ensembles wieder aufgenommen werden. Bis 1948 fühle sie unter schwierigen Umständen den Spielbetrieb dort unter dem Namen „Kleines Theater Bad Pyrmont“ weiter fort und prägte mit ihrem anspruchsvollen Spielplanangebot das Kulturleben Pyrmonts entscheidend mit.
Nach dem Ende des Theaters und seines festen Ensembles aus bürokratischen Gründen wurde das Gebäude die folgenden Jahrzehnte wieder als Kino sowie für Gastspiele z.B der „Bremer Shakespeare Company“ oder des „Landestheaters Detmold“ sowie für Lesungen, Vorträge und auch Kammermusikabende genutzt.
Ab 1996 diente es dann außerdem der neu gegründeten professionellen Schauspieltruppe der „Pyrmonter Theatercompanie“ unter Jörg Schade als Probenraum und Spielstätte. So erlebte das Haus an der Hauptallee noch einmal eine Renaissance und stellte bis 2018 zusammen mit dem Konzerthaus den Mittelpunkt des Pyrmonter Kulturlebens dar.
